Frankfurt am Main: Frankfurter Verlagsanstalt, 1995. ISBN: 3-627-00033-1
Umschlagtext:
Stadt mit Häusern ist eine Geschichte aus elf Geschichten, die jede von einer anderen konkreten Welt erzählt. Sie beginnt mit dem Rechtsanwalt, der sich auf seiner Weise am Aufschwung Ost beteiligt, und seiner Begegnung mit einer Literatur, die genau dort entsteht, wo er sein Geld verdient. Die Geschichte führt zu Koby und Welka, den Kindern einer Morgenthauwelt, und zu den Phantasien eines geschaßten Prokuristen, der nach fünfunddreißig Jahren Dienst für eine Familienfirma einer Kabale der Eigentümer zum Opfer fällt.
Dem Leser begegnen eine Pächterstochter in einem engen oberösterreichischen Tal, ein Philosoph, dessen private Gedankenproduktion zu seiner akademischen stehen muß, und eine Prostituierte im Auto, die ein Mann war. Es treten weiter auf: eine Verfasserin einer Dissertation über die Allgemeine Gleichgewichtstheorie, die ihre Arbeit nicht zu Ende führen kann, die Bewohnerin eines außergewöhnlichen erotischen Tagebuches, und eine Frau, die die Vergangenheiten der anderen Frauen als ihre annimmt, weil sie keine eigene will. Die Geschichte macht einen Sprung in eine ferne Zukunft, in der es keine Individuen mehr gibt, sondern sich zu beliebigen Konfigurationen vereinigende Bewusstseinseinheiten, die von der Körperlichkeit des Cyberwesens Max und den Ergebnissen seiner Erkundungsfahrten bedroht werden. Die Geschichte kehr zurück zu einer Alten, die ihres letzten verbliebenen Trostes beraubt wird, als sie das Photo ihres verstorbenen Mannes aus dem Kalender der örtlichen Karnevalsgesellschaft getilgt sieht.
In Ernst-Wilhelm Händlers erstaunlichem schriftstellerischen Debüt entsteht eine auch formal auffallende Vielstimmigkeit. In elf Geschichten werden elf verschiedene erzählerische Möglichkeiten geboten. Denn jeder Text fordert seinen eigenen Erzähler, seinen eigenen Hallraum und erfüllt ihn mit einem jeweils anderen Selbst der Sprache. Die Häuser, von denen hier erzählt wird, stehen in den neuen und den alten Bundesländern, auch in Österreich. Die Häuser, die hier beschrieben werden, geben einer neuen Anordnung von Menschen, Dingen und Ideen Herberge und Raum.