Welt am Sonntag, 24.09.2023
Das Münchner Museum Brandhorst und ein Balenciaga Store: Diese beiden Orte wählt Ernst-Wilhelm Händler für ein Treffen mit Richard Kämmerlings für die Welt am Sonntag. Dass das Treffen vor dem im Museum ausgestellten Lepanto-Zyklus von Cy Twombly stattfindet und damit ganz im Zeichen der Kunst steht, ist kein Zufall, wenn man das Sujet von Händlers aktuellem Roman »Der absolute Feind« mitbedenkt: die Konkurrenz von Gegenwartsliteratur und Gegenwartskunst. Während die Kunst die Forderung Rimbauds nach absoluter Modernität auch heute noch erfülle, werden diese „Möglichkeiten“ in der Literatur „nicht wahrgenommen“, wodurch diese hinter die Kunst zurückfalle.
Die „moderne Inkarnation des klassischen gelehrten Dichters“ sieht Kämmerlings in Ernst-Wilhelm Händler. Bezogen auf die Gegenwart bedeute das eine Erweiterung der Gelehrtenperspektive um die Sphäre der Ökonomie. Dementsprechend sind die Hotspots des internationalen Kunstmarkts die Handlungsorte von Händlers Roman. Und auch der zweite Treffpunkt von Kämmerlings und Händler fügt sich ein: „Sehr nah an der Kunst“ sei die Mode im Zusammenspiel aus Design und Umsatz bei Balenciaga. Hier treffen „die Pole des Ernst-Wilhelm Händler wieder zusammen: Geist und Geld, zeitlose Schönheit und radikale Gegenwart, reine Vernunft und Reingewinn“.